Die Hexendynastie, Teil 4


 

erzählt von Cynthia Yaga


 

Nun muss ich doch auch einmal meine Sicht der Dinge einbringen. Nicht, dass ich Baba Jelena nicht leiden könnte, nein, wir schätzen uns durchaus.

 

 

Aber mitunter hasse ich ihre bornierte Boshaftigkeit. Und immer meint sie zu wissen, was gut für uns alle ist. Lange genug, habe ich mir mein Leben von ihr vorschreiben lassen, aber jetzt bin ich Mutter und trage eigene Verantwortung für mein Kind. Und ich bin nun einmal der Ansicht, dass es ein Recht hat, seinen Vater kennenzulernen, wie seltsam auch immer die Umstände der Zeugung waren.

Aranka kann nun schon laufen und ich bin nicht mehr so vollständig auf Baba Jelenas Unterstützung angewiesen. Also werde ich mich heute auf den Weg zum Haus der Sorcerers machen - mit Aranka!! Und dann werden wir ja sehen ...

Es ist nicht so, dass Simon nichts von Arankas Existenz wüsste, ich habe entgegen Babas strikter Anweisung immer mal wieder mit ihm telefoniert.

 

 

Aber er ist halt auch nicht so der unkomplizerte Typ. Dennoch haben wir uns mehrfach heimlich - d.h. ohne dass Baba davon wusste - getroffen:

 

 

Simons Vater - Solomon Sorcerer - hat sowieso nichts dagegen. Ihm ist nur wichtig, dass wir keinen Kontakt zu seinem Gegenspieler Sordidus haben.

 

 

Schwierig ist da schon eher Simons seltsamer Charakter. Mal ist er überschwänglich und mal total kratzbürstig.

 

 

 

Das war nicht immer ganz einfach, aber es gab auch die schönen Momente.

 

 

Jedenfalls bin ich jetzt fest entschlossen, Aranka ihrem Vater und Großvater vorzustellen. Wenn sie einmal unsere große Familientradition fortsetzen soll, dann muss sie doch auch ihre Wurzeln kennen, zumal Solomon ein ganz und gar außergewöhnlicher Magier ist, wie ich feststellen konnte.

 

 

Einmal habe ich mich sehr angeregt mit Solomon unterhalten und glaubte, eine Menge freundliches Entgegenkommen bei ihm zu spüren. Jedenfalls hat er mir daraufhin seine jüngste Errungenschaft gezeigt: den Kristallbaum - er ist höchst verwunderlich und von grandioser Kraft und Schönheit!

 

 

 

 

Wie sollte sie nicht stolz sein auf solche Vorfahren?

 

 

Er ließ mich sogar selber davon kosten, und ich spürte, wie eine mächtige Welle von Kraft und Erleuchtung durch meinen Körper lief.

 

 

Also habe ich mich eines Tages, als Baba gerade ihre Ernte in der Stadt verkaufte, mit Aranka hierher begeben.

 

 

 

Simon ist zwar noch sehr ungeschickt im Umgang mit ihr, aber er hatte doch seine helle Freude an dem Kind.

 

 

Und auch er hat seine großartigen Fähigkeiten als Astronom und Sterndeuter - ich glaube, dass er auf diesem Geniet Fantastisches leistet. Da sehe ich für Aranka noch viele positive Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Warum sollte sie denn nicht auch die Künste und Fähigkeiten von Vater und Großvater erlernen?

Diese verbiestert feministische Sicht, die Baba Jelena immer predigt, muss ja nicht die einzig richtige sein. Sie hat mich absolut männerfeindlich erzogen. (Meine Eltern habe ich ja leider gar nicht kennengelernt, weshalb ich deren Standpunkt auch nicht kenne.)

Doch durch Simon - vielleicht gerade, weil er eher unbeholfen und gar nicht fordernd auftritt, habe ich einen neuen Bezug zum männlichen Pol gespürt - daran scheint mir nichts Falsches zu sein ...

Ich möchte dem noch weiterhin nachspüren - nicht, dass ich jetzt täglich mit Simon zusammen leben möchte, das wäre mir zu anstrengend, aber hie und da ein Treffen ist doch wunderschön und sehr anregnd in vielerlei Hinsicht ...

Jedenfalls haben wir uns dann in der Nacht im Dunkeln nach Hause geschlichen - in der Hoffnung Baba Jelena nicht zu begegnen.

 

 

 

Der erste Besuch mit Aranka bei den Sorcerers ging auch erst einmal gut. Vielleicht finde ich ja eine ruhige Minute, um Baba Jelena meine neuen Gedanken zu unterbreiten ...? Obwohl ich nicht viel Hoffnung habe, sie umzustimmen. Sie hat mir ja strikt jeden Kontakt zu den Sorcerers verboten, und sie betrachtet Aranka schon nahezu als ihr eigenes Kind! Das werde ich aber nicht zulassen - da bin ich mir inzwischen absolut sicher - und ich kann auch stur sein!

 

 

 

Inzwischen sind wir immer öfter drüben zu Besuch - soll Baba Jelena doch toben! Ich hatte sogar die Ehre ins Musikzimmer eingelassen zu werden. Das ist so etwas wie Solomons Heiligtum. Hier pflegt er das Andenken an seine geliebte Shaina, die sehr musikalisch war, aber leider früh verstorben ist.

 

 

 

Er hat ihr hier beinahe so etwas wie einen Altar errichtet:

 

 

 

Nur manche Gäste lässt er hier ein, und ich bin mir dieser Ehre wohl bewusst!

Ganz rührend finde ich, dass er für Aranka sogar ein altes Spielzeug aus dem Familienbesitz hervorgekramt hat.

 


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